[Autoreninterview] Mark Roderick

09 April 2020





Hallo Mark, 

vielen Dank, dass du mit mir dieses Interview führst. Bevor wir uns mit deinen Büchern beschäftigen, möchte ich gern ein wenig mehr über dich als Person erfahren. Du schreibst ja schon seit Jahren unter Pseudonym. Warum hast du dich dazu entschieden und wann kam dir der Gedanke dazu?

Mein echter Name ist kein Geheimnis, aber so kompliziert, dass selbst ich Schwierigkeiten habe, ihn mir zu merken. Nein, Quatsch, aber er ist leider längst nicht so einprägsam mit „Ken Follett“ oder „Dan Brown“. Um den Lesern besser im Gedächtnis zu bleiben, kam daher irgendwann der Gedanke an ein Pseudonym auf. Außerdem stehen die verschiedenen Namen auch für unterschiedliche Genres. „Mark Roderick“ steht z. B. für „harter Thriller“, „Boris von Smercek“ (mein echter Name) eher für Wissenschafts-Thriller.



Wie würde deine Frau dich mit fünf Worten beschreiben, wenn wir sie fragen würden?

Romantisch. Männlich. Genial. Durchtrainiert. Sauberkeitsfanatisch. Nein, im Ernst – um mich zu beschreiben, braucht meine Frau nicht fünf, sondern nur drei Worte: „Du spinnst ja!“ Das hat sie wörtlich zu mir gesagt, als sie vor ein paar Jahren das erste Kapitel von „Post Mortem -Tränen aus Blut“ gelesen hatte. Danach hat sie das Buch weggelegt und es nicht mehr angefasst. Allerdings muss ich zugeben, dass meine Frau grundsätzlich keine Thriller mag. Und abgesehen davon, dass ich nun mal ein Thrillerautor bin, liebt sie mich sehr – behauptet sie😊.



Hast du selbst einen Lieblingsautor oder ein Vorbild?

Ein Vorbild nicht, und auch keinen Lieblingsautor. Aber es gibt ein paar Bücher, die ich enorm gut finde, und ich versuche, deren Qualität zu erreichen. Dazu gehören: Stieg Larssons „Verblendung“, Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“ oder „Roter Drache“ von Thomas Harris. Auch Michael Crichton hat ein paar hervorragende Bücher geschrieben.




Auf deiner Homepage kann man ja schon ein bisschen was über dich erfahren, aber du darfst uns hier auch gern noch einmal erzählen, was du machst, wenn du nicht gerade schreibst.

Gerne. Tatsächlich bin ich nur Teilzeit-Bestsellerautor. Tagsüber gehe ich einem ganz normalen Bürojob nach – als Controller in einem mittelständischen Verlag. Bei einer 40-Stunden-Woche und einer fünfköpfigen Familie kann man sich ungefähr vorstellen, wie schwierig es ist, sich die Zeit fürs Schreiben zu nehmen. Aber wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Weg. Das heißt, ich schreibe morgens in der S-Bahn, in der Mittagspause und schließlich abends wieder auf dem Heimweg. Am Wochenende stehe ich durchaus auch mal um 5 Uhr auf und setze mich an mein Notebook, bis der Rest der Familie aufsteht. Das ist zwar manchmal anstrengend, aber ich kann nicht anders. Ich MUSS schreiben, das liegt mir einfach im Blut. Außerdem will ich noch irgendwann ein Spiel erfinden – ein Brett- oder Kartenspiel. Das habe ich schon seit fünfunddreißig Jahren vor, und irgendwann schaffe ich das auch noch.




Magst du uns den heiligen Ort zeigen, an dem du deine Worte zu Papier bringst?

Wollt ihr wirklich meinen Esstisch sehen? Der ist zwar sehr schön, aus massivem Holz, aber meistens ein bisschen verkrümelt. Als meine Frau und ich vor sechs Jahren unser Haus gebaut haben, habe ich mir zwar ein Büro im Dach eingerichtet, aber tatsächlich schreibe ich zu Hause fast immer am Esstisch mit Blick ins Wohnzimmer. Wenn der Fernseher läuft, nehme ich Ohropax, mehr brauche ich nicht.

Ursprünglich wolltest du ja Regisseur werden. Wie ist es dann dazu gekommen, dass du stattdessen Schriftsteller geworden bist?

Die Fragen der Aufnahmeprüfung der Münchener Filmhochschule haben mich abgeschreckt. Die waren sehr technisch orientiert, was so gar nicht meinem Naturell entspricht. Ich habe den Beruf des Regisseurs bis dahin auch nie mit Samstagabendunterhaltung im ZDF in Verbindung gebracht, sondern viel mehr mit Hollywoodkino. Nein, ich habe damals erkennen müssen, dass Regisseur wohl doch nichts für mich ist. Aber irgendwann dachte ich mir: Wenn es mir Film nichts wird, dann könnte ich doch versuchen, aus meinen Ideen ein Buch zu machen. Klingt naiv und war es sicher auch. Aber durch diese Naivität habe ich ganz unbedarft mit dem Schreiben begonnen – und nicht mehr damit aufgehört.



Was reizt dich besonders am Schreiben?

Ich glaube, es ist die Faszination, aus dem Nichts, also mit purer Fantasie, eine Geschichte zu erschaffen, die andere Menschen spannend finden. Dabei entsteht in meinem Kopf gewissermaßen ein Film, Szene für Szene, den ich versuche, in Worte zu fassen, um andere daran teilhaben zu lassen.






Kommen wir nun zu deinen Büchern. Du hast ja bereits um die 20 Bücher herausgebracht. Welches davon gefällt dir persönlich am besten und warum?

Es gibt zwei Bücher, die mir besonders am Herzen liegen: „Tod im Regenwald“ und „Tränen aus Blut“. Mit „Tod im Regenwald“ hat alles begonnen. Es war mein erstes Buch und ich habe mir damit gewissermaßen selbst bewiesen, dass ich schaffen kann, was niemand mir zugetraut hätte. Und mit „Tränen aus Blut“ habe ich erstmals den Sprung in die Spiegel-Taschenbuchbestsellerliste geschafft. Das war schon ein sehr erhebendes Gefühl.




Gibt es eine Lieblingsszene aus diesen Büchern, die du uns mitteilen kannst? Natürlich ohne zu spoilern :)

In „Tränen aus Blut“ gefällt mir das Anfangskapitel sehr gut. Das sind nur drei Seiten, die aber extrem unter die Haut gehen – und das, obwohl da noch gar nichts Schlimmes passiert. Allein die Vorahnung auf das, was noch kommt, erzeugt den Nervenkitzel. Ich denke, das ist es, was meine Thriller ausmacht: Viel Spannung mit wenig Blut.




Was war der lustigste Fehler in deinen Büchern?

Bei „Tod im Regenwald“ gab es in paar Stellen, an denen ich „Duschgel“ statt „Dschungel“ geschrieben hatte. Ich hoffe allerdings, dass der Korrektor damals alle Patzer beseitigen konnte. Ansonsten lasse ich meine Helden ganz gerne mal ein Handy verlieren, das sie dann später plötzlich wieder aus der Tasche ziehen. Peinlich, aber das passiert nun mal.






Warum sollte man bei der Vielzahl von Büchern gerade zu deinem greifen?

Jetzt wird’s kniffelig. Eigenwerbung zu machen, ohne dabei eingebildet zu klingen, ist schwierig. Aber wer Stieg Larssons „Verblendung“ mochte, ist bei mir, glaube ich, verdammt gut aufgehoben. Meine Bücher stehen für harte, kompromisslose Spannung. Wer das mag, sollte zugreifen, allen anderen rate ich, die Finger davon zu lassen.

Was dürfen wir denn zukünftig noch von dir erwarten?

Noch mehr Thriller natürlich. Allerdings kann ich im Moment noch nicht sehr viel über die nächsten Projekte verraten, weil ich gerade erst in der Entwicklungsphase bin. Sorry!






Gibt es noch etwas, das du uns selbst gern von dir erzählen möchtest? 

Naja, auch wenn’s vielleicht keiner glaubt: Ich bin ein total sensibler Typ. Wenn ich einen Film anschaue, der mir zu Herzen geht, kommen mir die Tränen. Das gilt auch für Bücher oder Musik. Ich habe Reinhard Fendrichs „Bergwerk“ nicht ein einziges Mal anhören können, ohne zu weinen. Ist einfach so, ich kann’s nicht ändern. Und danach gehe ich wieder an den Schreibtisch, um ein paar Leute umzubringen. Das soll mal einer verstehen.


Vielen Dank, dass du das Interview mit mir geführt hast.

Wer noch mehr über Mark Roderick und seine Bücher erfahren möchte, darf gern einmal auf seiner 
Homepage vorbei schauen ♥


3 Kommentare:

  1. Hallo Charleen,

    Danke für die nette Vorstellung des Autoren...besonders interessant dieses Mal für mich wieso der Autor ein Pseudonym sich zugelegt hat.

    LG...bleibt gesund...Karin..

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    1. Hey Karin,
      ich fand es auch total nett. Es war ein sehr erfrischendes Interview. Jetzt erscheint ja bald sein neues Buch - ich darf ein Exemplar davon auch verlosen ♥
      Liebe Grüße

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  2. Hallo Charleen,
    ein ganz tolles und, so wirkt es zumindest, sehr ehrliches Interview mit tollen Einblicken! Ich muss ja gestehen, ich kenne noch kein Buch von Mark Roderick, aber das sollte ich ganz schnell ändern. Die Bücher klingen interessant, auch oder besonders weil sie so schonungslos zu sein scheinen! Ich kann das zwar nicht jeden Tag des Jahres lesen, aber ab und an mag ich Thriller sehr gern und dann darf es da auch gern etwas heftiger zugehen.
    Außerdem klingt der Autor total sympathisch! :)
    Danke für diesen tollen Beitrag!
    Liebe Grüße
    Dana

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